Methoden


Ziel der Gruppen ist es, die Lebens- Konflikte wirklich gemeinsam durchzuarbeiten.
Das steht völlig im Gegensatz zur bisherigen Praxis: Da waren
• Ausweichen
• verleugnen
• wegschauen oder
• andere Ersatzverhaltensweisen üblich.
All das benötigt einfach Zeit:
- Widerstände zunächst einmal verstehen
- die Komplexität, d.h. die mehrfachen Bedingungen eines Konfliktes begreifen
- diese Einsichten im täglichen Leben bekommen und schließlich
- die Fähigkeit entwickeln, die eigenen Konflikte zu lösen
• inneren Spaltungen (Dissoziation) aufheben
• Fähigkeit zum Dranbleiben entwickeln
Darum ist ein Wirkfaktor für Endlich-Leben-Gruppen der Zeitfaktor oder das Kontinuitäts-Prinzip.

Endlich-Leben-Gruppen dauern im Durchschnitt 12 Monate. Treffen sind in der Regel jede Woche ein Abend (14 täglich ist möglich, hat aber einige Nachteile).
Für jeden Schritt werden also 4 Wochen-Treffen angesetzt. Manchmal geht es schneller, manche Gruppen dauern länger.
Dieser 1-Jahres-Zeitraum sollte geplant werden. Erst durch die Kontinuität, das Dranbleiben fängt ein Prozess an. Manche Menschen brauchen länger als ein Jahr, um grundlegende Lebensmuster zu verändern. Das ist völlig normal.

Die Gruppe wird zur Lebensbasis
Menschen sind in Kleingruppen sozusagen in ihrem "natürlichen Element“
Dabei ist die ideale Zahl 10 Personen. In Endlich-Leben-Gruppen treffen sich Männer oder Frauen meist in Geschlechts-getrennten Gruppen.
„Das Gruppenprinzip wird ausführlich in der Gruppendynamik und in den Theorien der Gruppentherapie dargestellt.
Endlich-Leben-Gruppen werden nach den Methoden der Selbsthilfegruppen organisiert. Es sind also anderen Bedingungen [ z.B. im Unterschied zu therapeutenzentrierte oder natürlichen Gruppen] zu beachten.
Doch charakterisieren mit hoher Wahrscheinlichkeit Gruppenphänomene wie die Homöostase (Gleichgewicht bewahren) die vielfältigen Übertragungen, die Abwehrmechanismen, die Fraktionierung der Gruppe usw. auch den therapeutischen Prozess der Selbsthilfegruppen.
Wirkkräfte von Gruppen sind z.B.:
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• Aufhebung der äußeren und inneren Isolation
• Überlegenheit der Gruppenleistung gegenüber Einzelgesprächen
• Nicht die Summe, sondern die erheblich zahlreicheren Möglichkeiten zur Kombination der verschiedenen Einzelfähigkeiten der Teilnehmenden ist der wesentliche Faktor.
• Die Bedeutung vielfältiger und gleichzeitiger kontinuierlicher Beziehungen
• „Modellgemeinschaft“ der Gruppe
• Probefeld von "Als-ob-Verhältnissen“
• Verminderung des „Transfer-Problems“ wegen der großen Ähnlichkeit zur Wirklichkeit
• für bisher kontaktarme Menschen ist das ein neues tiefes Erlebnis
• Einige sagen am Ende der Gruppe: „Ich habe sprechen gelernt“
Es sind die intensiven wechselseitigen Beziehungen, die eine Gruppe zu einem mächtigen Instrument der Veränderung und der erneuernden Sozialisation machen.
Das Selbsthilfeprinzip ist mit anderen Worten ein "Modell-Lernen":
"interessante Früchtchen sitzen hier zusammen"
„Das Selbsthilfeprinzip in der Gruppe besagt, daß primär keine wechselseitige Fremdhilfe, sondern wechselseitige Selbsthilfe stattfindet. Das bedeutet: Es hilft hier nicht der eine dem anderen und der wieder ihm. Vielmehr hilft hier jeder sich selbst und hilft dadurch den anderen, sich selbst zu helfen. Das Lernen am Modell oder die Identifikationsvorgänge haben im therapeutischen Prozeß also eine große Bedeutung.“ (Michael Lukas Moeller, Selbsthilfegruppen, S. 284)
Auswirkungen des Selbsthilfe-Prinzips:
• Menschen werden fähig, ihr Leben und ihre Veränderung in die eigene Hand zu nehmen (Selbstbestimmung)
• Lernen durch eigenes Erleben: Das wird dadurch verstärkt, dass man in der Gruppe stets Modell für andere ist. Was man aber selbst demonstriert, prägt man sich auch im Sinne einer Selbstüberzeugung besonders gut ein.
• Selbstentdeckung: "Ich habe ein Problem: Gruppenmitglierder werden – vielleicht noch in abgewehrter, verstellter Form– ihre Konfliktlage akzeptieren.
• „nachholende Identifikation.“ Menschen finden ihre Rolle, ihren Platz im Leben.
• Eigenleistung: Man ist stolz auf alle Eigenleistung, weil sie ein Zeichen der eigenen Fähigkeiten ist.
• Die gewonnene Einsicht paßt sozusagen besser und sitzt tiefer.
Die Rolle des Arbeitsbuches Endlich-Leben: Modell-Lernen aus der Geschichte…
Typisch für Endlich-Leben-Gruppen ist dier Verwendung eines Arbeitsbuchs. Welche Rolle spielt es für die Gruppenteilnehmenden?
Das Arbeitsbuch ist bewusst in der WIR-Form der 12-Schritte-Tradition geschrieben worden. Damit wird den Teilnehmenden vermittelt: Es geht nicht um allgemeines Wissen, sondern um persönliches Erfahrungswissen von Menschen, die in einer ähnlichen Lage waren wie die Gruppen-Mitglieder jetzt. So lernen sie an den Beispielen und Fragen im Arbeitsbuch am Modell der Menschen, die vor ihnen in einer Gruppe waren. Einiges an diesem Erfahrungswissen dient der Information, anderes der Anregung, selbst solche oder besser eigene Erfahrungen zu sammeln.

Systemisch denken & handeln
Ein System ist die Kombination von verschiedenen Teilen, die zusammen mehr darstellen als jedes Teil für sich allein.
Wenn eines dieser Teile entfernt wird, funktioniert das System nicht mehr gleich. So auch die Endlich-Leben-Gruppen:
Endlich-Leben-Gruppen brauchen diese 3 Dimensionen:
• Kontinuität
• Gruppe
• Selbsthilfeprinzip (bzw. Modell-Lernen)
Darin sind sie mit allen anderen Selbsthilfegruppen vergleichbar. Besonders werden sie durch ihre Wertebasis, die im christlichen Glauben begründet ist.

„Selbstentdeckung ist das zentrale Ziel der Selbsthilfegruppen." sagt Michael Lukas Moeller.
Deshalb richten sich die Teilnehmer nach einem einfachen Dreisatz:
Keine Fragen. Jeder über sich. Keine Ratschläge.
Das waren in einer Untersuchung von Moeller die häufigsten Antworten auf die Frage, welche „Grundregeln“ man befolgt.
Welche Regeln in Endlich-Leben-Gruppen gelten, finden Sie hier…


Das Endlich-Leben-Gruppentreffen hat eine Ablaufstruktur, die wie ein Gerüst der Gruppe Sicherheit gibt. Im Detail sind es
die folgenden 4 Phasen… Klicken Sie oben weiter…
1. Phase: Gebet – bei Gott ankommen
Das Treffen beginnt in der Regel mit einer Ausrichtung auf Gott im Gebet. Wenn z.B. 50 Teilnehmer sich an einem Wochentag im Plenum
treffen, können sie den Abend gemeinsam mit Gebet eröffnen, ehe sie in ihre jeweilige Kleingruppe gehen.
Wichtige Kriterien für die Gebetszeiten (ob in großen oder kleinen Gruppen) sind:
- Das Gebet sollte echt sein und zeigt deshalb unterschiedliche Ausdrucksformen je nach geistlicher Tradition der Gruppenleitung
und der jeweiligen Gemeinde.
- Hilfreich ist es an dieser Stelle, sich Zeit zu nehmen, von sich selbst und den eigenen Befindlichkeiten wegzuschauen und Raum zur
Anbetung zu haben. Musikalische Formen, gemeinsame Gesänge z.B. können dabei unterstützend wirken.
In solchen Augenblicken,
in denen kein „Programm“ eine Rolle spielt, sondern nur die Beziehung zu Jesus Christus Ausdruck findet, geschieht oft
schon Heilung.
- Das Gelassenheitsgebet:
Herr,
gib mir die Gelassenheit,
die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Gib mir den Mut,
die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.
Das „Gelassenheitsgebet“ ist das Schlüsselgebet in der AA-Tradition
geworden. Es weist auf die Haltung hin, die in den 12-Schritte-Gruppen
eingeübt wird: Es geht nie mit Druck! Gelassenheit unterstützt eine Haltung
der Anspruchslosigkeite: Ich muss nicht nicht alles an einem Gruppenabend
klären. Daher gilt es, Prioritäten zu setzen, im Vertrauen auf
Gott Ungeklärtes auszuhalten, schwierige Prozesse zu akzeptieren und
keine schnellen Lösungen anzustreben.
2. Phase: Wochenrückblick in der Kleingruppe
Eine erste Gesprächsrunde ist eine thematisch offene Runde. Der Einstieg
geschieht z.B. mit der Frage: „Wie geht es dir? Welche Erfahrungen der letzten Woche in Bezug auf deine Schwierigkeiten sind dir besonders wichtig?“
Manchmal passen aktuelle Erfahrungen, Schwierigkeiten und Prozesse von GruppenteilnehmerInnen zum Thema des jeweiligen
Schritts.
Jeder oder jede kann kurz von sich berichten, wie es ihm oder ihr gerade geht (die Gefühle sind hier wichtig: „Wie fühlst du dich?“) und was
ihn oder sie von der letzten Woche her – besonders auch im Hinblick auf die eigene Problematik – bewegt (hier geht es um Sachverhalte).
Je nach Personenzahl wird diese erste Runde unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Manchmal hilft es, wenn die Gruppenleitung in der Rolle der Moderation die Zeit am Beginn für jeden auf z.B. 1-2 Minuten begrenzt. Im Wochenrückblick sollte der oder die Berichtende nicht durch Fragen unterbrochen werden.

3. Phase: Arbeit am Programm
Die nächste Gesprächsrunde beschäftigt sich mit dem Thema des jeweiligen Schrittes.
Die Fragen aus der Hausarbeit im Gruppenarbeitsbuch sind als Gesprächsanstoß gedacht. Sie sollen helfen, im Gespräch beim Anliegen des jeweiligen Schrittes zu bleiben. Mit ihrer Hilfe können auch Verständnisfragen geklärt werden.
Im Idealfall sollte beim Austausch über die persönlichen Antworten in der Runde für jeden ungefähr gleich viel Zeit eingeräumt werden. Die Gruppenleitung achtet darauf und begrenzt gegebenenfalls die Zeit für den Einzelnen. Es hat sich als praktisch erwiesen, eine Person aus der Gruppe zu bestimmen, die auf die Zeit achtet.
Die Gruppenleitung erlaubt Feedbacks, Fragen oder Kommentare erst, nachdem jeder Zeit hatte, seine Antworten mitzuteilen. So hat jeder
Raum, ohne Bewertung angehört zu werden.

4. Phase: Abschluss des Abends: Verträge, Ziele, Dank, konkrete Fürbitte
Gegen Ende zeigt sich meistens, welche konkreten Anregungen TeilnehmerInnen aus dem Gehörten mitnehmen, worauf sie achten, worin sie sich gegenseitig ermutigen wollen (z.B. „Ich bete für dich, dass du das … in dieser Woche schaffst!“). „Verträge“ sind konkrete Verabredungen, in denen sich GruppenteilnehmerInnen gegenseitig in die Pflicht nehmen.
TeilnehmerInnen können z.B. anderen die Erlaubnis geben, bei bestimmten Verhaltensweisen nachzuhaken. Vorsätze können unterstützt werden, Verbindlichkeit wird gelebt.
Zum Abschluss sollte die Gruppe miteinander und füreinander beten – als Ausdruck der Überzeugung, dass die eigentliche Hilfe von Gott zu
erwarten ist. Es ist darauf zu achten, genügend Zeit für den Gebetsteil am Schluss zu reservieren.
Gerade im Gespräch mit Gott selbst werden entscheidende Dinge in den Gruppen geschehen.
Für das persönliche Gebet während der Woche können die TeilnehmerInnen den wichtigsten Gedanken des Abends für sich notieren.
In die kommende Woche kann auch ein Gebet für jemanden aus der Gruppe mitgenommen werden. Dadurch bleiben die Mitglieder
der Gruppe in einem gemeinsamen geistlichen Prozess miteinander verbunden.






