Traditionen

Jede Tradition entwickelt ihre eigene Sprache. Es klingt zwar "deutsch". Aber trotzdem werden Worte zu Schlüsselworten, die für andere fremd wirken: z.B. "Kapitulation", ein Schlüsselwort für Endlich-Leben-Gruppen. Ein bestimmter Rede- und Sprachstil fällt besonders den einer solchen Tradition Außenstehenden auf.
So hat die 12-Schritte-Gruppenbewegung auch ihre typische "Sprache"entwickelt.
Bleibt die Frage für Gemeinden: Ist diese Sprache vereinbar mit der christlichen Tradition und ihrer "Sprache"?
Das Endlich-Leben-Programm ist darin stark: Es spricht keine fromme "Ghetto"-Sprache und lädt dennoch Menschen ein, sich auf einen vom christlichen Glauben inspirierten Veränderungsweg zu begeben.

Das 12-Schritte-Programm bewahrt die Lern-Erfahrung der Vorväter und -mütter aus Akron /New York 1939. Die Erfahrungen der ersten 12-Schritte-Gruppenbesucher dort waren geprägt von einer christlich-missionarischen "Gruppenbewegung", der sogenannten Oxforder Gruppenbewegung.

Die christlichen Grundüberzeugungen sind gewissermaßen in "überarbeiteter" Form in die Arbeit der "Anonymen Alkoholiker" eingeflossen. Den Namen bekamen die Gründer der ersten 12-Schritte-Gruppen, weil sie Wert legten auf Vertraulichkeit / Anonymität. Und ihre Zielgruppe waren Alkoholiker, die damals noch keine therapeutischen Angebote erhielten.
Das Endlich-Leben-Programm kehrt zu diesen Wurzeln zurück. Es nutzt wieder bewußt christlich geprägte Sprache und Überzeugungen. Das christliche Gottesbild (Vater, Sohn, Heiliger Geist) hilft zu einer gesunden Beziehungsfähigkeit zu sich selbst, anderen, der Welt und Gott zu finden.

Seit Ende der 60ger wurden die Symptome von Menschen in 12-Schritte-Gruppen ausgeweitet auf quasi alles, was Menschen das Leben schwer machen kann und dennoch zwanghaft gesucht, ausagiert und zum Teil bis zum Zusammenbruch durchgezogen wird.
Seitdem gibt es Gruppen für
• Ess-Süchte
• Spielsüchte
• Beziehungs- und Liebessüchte
• Drogensüchte aller Art
• Arbeits- und Putzsüchte

Die 12 Erfahrungssätze ("12 Schritte") beschreiben nun wie Menschen aus solch einer Falle auf einen Veränderungsweg finden. Für die Endlich-Leben-Gruppen sind diese 12 Schritte also eine Art hilfreiche Prozess-Beschreibungssprache.

Diese Schritte sind keine Vorschriften oder Gesetze, sondern durch Erfahrung belegte Prozesse, die in Worte fassen, wie Lebensveränderung auf geistlicher Grundlage geschieht. Darum werden oft "Wir-Formulierungen" benutzt, was viele Leser zuerst nicht einordnen können. Z.B.:
«Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere Gesundheit wiedergeben kann.«

Bewusst werden also Formulierungen vermieden, die wie Zwänge oder Gesetze klingen würden:
«Du musst erst einmal zu dem Glauben kommen, dass eine Macht, größer als du selbst, wirksam ist. Dann könnte dir das dein Gesundheit wiedergeben.«

Diese typische Sprachform vermeidet also Gesetzlichkeit. Die Weisheit dahinter ist die: Süchte, Zwänge oder hartnäckige Lebensmuster lassen sich nicht durch Appelle oder etwa (Gegen)-Zwänge noch durch strengere Gesetze beseitigen. Auch eine Erinnerung an die Moral, das Gewissen oder eine Strafandrohung Gottes hat sich nicht als hilfreich erwiesen. Für AA und alle 12-Schritte Gruppen ist die erstaunliche Entdeckung die:
• Gottes Eingreifen hilft
• Die Gruppe hilft
• Und beide Elemente müssen irgendwie zusammen spielen

Arbeitsbuch2


Die Rolle des Arbeitsbuches in einer Gruppensitzung:
1. Gruppenteilnehmende können beim Gruppenbeginn gemeinsam Abschnitte lesen.
Das wäre eine sehr programmorientierte Arbeitsweise, die dem Informations- und Klärungsbedürfnis gut tut:
• Fragen werden sortiert
• Ängste ausgeräumt
• Widerstände werden bewusst und verstanden

2.Teilnehmende können zu Hause lesen - sich auseinandersetzen mit sich selbst (mit Hilfe der Fragen findet die Selbsterkenntnis besser statt).
In der Gruppe nehmen sie sich dann vor allem Zeit, sich mit ihren persönlichen Themen und Erlebnissen den anderen Gruppenmitgliedern zu öffnen (das klassische Selbsthilfegruppen-Setting).
Dann spielt das Buch dort keine direkte Rolle mehr.

3. Eine Mischform aus 1 und 2:
• Phase 1: offen für spontane Beiträge der Gruppe
• Phase 2: bedürfnisorientiert „Texte aus dem Arbeitsbuch“ (das "Programm") wählen und in die Gruppe einbringen.